Liebeskummer trifft jeden irgendwann einmal im Leben, unabhängig von Alter,
Geschlecht oder Bildungsstand. Wer seiner Liebe nachtrauert, leidet extrem.
Konzentrationsprobleme, Appetitmangel, Panikattacken – der Herzschmerz kann
heftige Ausmaße annehmen. Viele Menschen wirft eine plötzliche Trennung vom
langjährigen Partner aus der Bahn. Die Inhaberin der ersten Liebeskummerpraxis
Deutschlands, Silvia Fauck, verrät wie unterschiedlich Männer und Frauen
leiden.

Liebeskummer ist eine schmerzhafte Erfahrung.
Frau Fauck, gibt es typische Symptome bei Liebeskummer?
Fauck: Allerdings. Die sind breit gefächert. Manche Liebeskranke können
nicht essen, nicht schlafen, haben Konzentrationsprobleme, Angstzustände oder
Panikattacken. Nach Veranlagung bekommen einige Magen-, Rücken- oder
Blasenprobleme. Im englischen gibt es dafür den Namen "broken heart
syndrome". Viele schlucken ihren Schmerz runter und die Trauer sucht sich
einen anderen Kanal.
Gehen Männer und Frauen unterschiedlich mit einer Trennung um?
Fauck: Ja, auf jeden Fall. Frauen brauchen meist länger, bis sie sich auf
eine neue Beziehung einlassen können. Sie hängen dem Ex-Partner länger nach
und versuchen, die Beziehung in Gesprächen zu verarbeiten. Die meisten Männer
dagegen sind ungern allein und suchen sich schneller eine Neue.
Ist es wahr, dass es meist Frauen sind, die eine Beziehung beenden?
Fauck: Das stimmt tatsächlich. Männer gehen meist nur dann, wenn eine
Andere im Spiel ist. Dabei leben Männer von den Schmetterlingen im Bauch. Wenn
die Phase der Verliebtheit vorbei ist, und sie Liebe entwickeln müssen,
schrecken heute viele zurück und beenden die Beziehung, weil sie meinen,
irgendetwas würde fehlen. Sie haben Angst vor dem nächsten Schritt und einer
echten Verpflichtung. Frauen geben nicht so schnell auf, sie akzeptieren eher,
dass aus Verliebtheit irgendwann Liebe wird.
Was ist der größte Fehler, den man bei Liebeskummer machen kann?
Fauck: Nicht loslassen. Wer verlassen wird, liegt emotional am Boden und
erwartet, dass der ehemals liebende Partner Mitleid hat. Doch das Leid des
Verlassenen und das schlechte Gewissen treiben den Anderen noch weiter weg. Wenn
Sie Ihren Partner zurückgewinnen wollen, dann lassen Sie ihn ziehen und machen
Sie den Anschein, dass es Ihnen gut geht. Geben Sie der Sehnsucht eine Chance.
Gibt es auch einen Vorteil, den das ganze Liebesleid mit sich bringt?
Fauck: Klar! Man lernt eine Menge über sich und erkennt die eigenen Grenzen.
Man passt besser auf sich auf, darauf, dass man sich nicht wieder in so einem
Maße verliert. Oft ist es ein weiter Weg zur nächsten Partnerschaft.
Woran erkennt man, dass man bereit für eine neue Beziehung ist?
Fauck: Man merkt es einfach, von ganz allein und ohne Zweifel. Man kann
wieder in den Spiegel schauen und sich anlächeln, fühlt sich frei und hat
wieder Lust auszugehen.
Was tun, wenn ich frisch verliebt bin, aber mein neuer Partner seine
letzte Trennung noch nicht verarbeitet hat?
Fauck: Das geht selten gut. Während Sie echte Gefühle investieren, ist er
mit den Gedanken noch woanders. Oft wird so etwas wirklich gutes Neues
blockiert. Wenn Sie die frische Liebe retten wollen, lassen Sie Ihrem Partner
eine lange Leine und Freiraum. Er befindet sich in der Trauerphase und kann erst
langsam neue Nähe entwickeln.
Gibt es eine durchschnittliche Zeit, die man braucht, um eine Beziehung zu
verarbeiten und bereit für Neues zu sein?
Fauck: Nein, so etwas ist individuell sehr verschieden. Manche brauchen zwei
Monate, andere acht Jahre. Wobei letzteres Extremfälle sind. Natürlich
beeinflusst auch das Ende der Beziehung die Trauerphase. War jemand glücklich
und wird aus scheinbar heiterem Himmel verlassen - dann ist das ein Schlag vor
den Kopf. Oder ist die Liebe langsam verebbt? Dann ist der Fall nicht so tief.
Allerdings hat die Dauer der Beziehung nichts mit der Trauer danach zu tun.
Allein die Intensität der Liebe zählt.
Wie sollte man mit Liebeskummer umgehen?
Fauck: Trauerarbeit ist wichtig. Dinge, die nie aufgearbeitet wurden,
schleppen Sie als schweren Rucksack mit sich herum. Deshalb: Heulen Sie ruhig
und erlauben Sie es sich zu leiden. Das ist für viele schwer zu akzeptieren.
Vor allem Menschen, die mit beiden Beinen im Leben stehen und immer alles unter
Kontrolle haben, haben ein großes Problem damit, sich plötzlich in der
Opferrolle zu sehen.
Leidet der, der verlässt, genauso wie der Verlassene?
Fauck: Nein. Sicherlich mag er Angst vor der Zukunft haben und bestimmt ein
schlechtes Gewissen, aber er spürt nicht diesen Grad der Verzweiflung.
Empfinden ältere und jüngere Menschen Liebeskummer unterschiedlich?
Fauck: Das mag sein. Menschen, die heute 50 Jahre oder älter sind, und
plötzlich vor den Trümmern ihrer Ehe stehen, haben vielleicht das erste Mal in
ihrem Leben Liebeskummer. Schließlich haben die meisten dieser Generation ihren
ersten Partner geheiratet. Nicht nur das emotionale Durcheinander ist für sie
völlig neu, sondern auch die soziale Situation des Alleinseins. Die jüngere
Generation der etwa Mitte 30jährigen dagegen hat bereits einige Beziehungen
erlebt und zweifelt bei erneutem Scheitern eher an sich selbst, weil sie
ständig Trennungen erleben.
Ist letzteres ein neues gesellschaftliches Phänomen?
Fauck: Auf jeden Fall. Viele Singles Mitte 30 sind finanziell abgesichert,
erfolgreich und anspruchsvoll. Gerade sehr erfolgreiche Frauen haben ihre
Erwartungen sehr hoch gesetzt und stellen sich die Frage: Was kann mir ein
Partner eigentlich bieten? Dadurch, dass die Rollenmuster nicht mehr
festgeschrieben sind, gerät die klassische Partnerwahl ins Wanken. Keiner ist
mehr gut genug und die Suche nach dem Richtigen wird unendlich fortgesetzt. Die
Angst davor, etwas zu verpassen, ist groß.
Zum Schluss verraten Sie uns doch bitte noch einen Tipp gegen Liebeskummer
Fauck: Nehmen Sie sich Zeit zum Trauern. Sie müssen sich nicht
zusammenreißen! Weinen Sie und hängen Sie so richtig durch. Und: Tun Sie sich
selbst etwas Gutes. Jetzt ist die Zeit, sich richtig zu verwöhnen.